Seit einigen Jahren gibt es u.a. in England die Idee für Rettungskräfte eine private “Notfallnummer” von Bekannten oder Angehörigen auf dem Mobiltelefon zu speichern. Anfangs fand ich die Idee auch gar nicht schlecht: Unter dem Kürzel “ICE” (steht für “In Case of Emergency”) plus dem Namen der anzurufenden Person ist im Telefon des Patienten ein schneller Kontakt für Retter im Fall der Fälle möglich. Das ganze gibt es ebenfalls auf deutsch und nennt sich “IN” (steht für “Im Notfall”).
Als Android-Telefon-Besitzer weiss ich genau wie iPhone-Nutzer, dass es mittlerweile jede Menge mobile Telefone gibt, nicht nicht einfach mit “Entsperren-Raute” (o.ä.) freigeschaltet werden können. Demnach ist die Idee mittlerweile überholt und nicht mehr nutzbar.
Ausserdem frage ich mich als “professionelle Rettungskraft” wirklich, ob ich nun unbedingt einen Kontakt zu irgendwelchen Bekannten oder Verwandten sofort benötige - ich kann notfalls auch ohne Fremdanamnese arbeiten. In Deutschland ist das Mitführen eines Personalausweises leider keine Pflicht, dennoch trugen die meisten meiner Patienten, bei denen die Identität im Nachhinein wichtig war, ihren Ausweis im Portemonai (zu 90% in der Hosen- oder Jackentasche, bei Frauen meistens in der Handtasche). Bei diesen Personen handelte es sich oftmals um bewusstlose, stark betrunkene oder verstorbene Patienten. Dank unbürokratischer Amtshilfe durch die Polizei findet man relativ schnell Angehörige heraus.
Zudem habe ich bisher noch NIE(!) in irgendeinem fremden Patiententelefon herumgeschnüffelt, geschweige denn ich hatte die nötige Zeit dazu…
Auf Twitter kam die Frage auf, was ich gegen “ICE” hätte bzw. ob ich andere Vorschläge habe - hier (m)eine kleine Auswahl:
- Mein Notfalltipp(1): immer Ausweis od Führerschein, spez. Allergien u Medies sowie TelNr von Angehörigen auf Zettel im Portemonaie.
- Notfalltipp(2): den Freunden u evtl. Arbeitskollegen von besonderen Erkrankungen erzählen (zB Diabetes oä)
- Notfalltipp(3): wer möchte kann sich einen einstecken - darin stehen neben eigener Adresse auch Angehörige etc.
- Notfalltipp(4): bei speziellen oder multiplen Erkrankungen wäre auch eine Kopie eines aktuellen Arztbriefes im Portemonaie nicht schlecht…
- Gut auch soetwas: -kann man ja selbst basteln
Meine Eltern zum Beispiel haben eine selbstgestaltete “Notfallkarte” im Portemonaie. Sie ist leuchtend orange (also keinesfalls zu übersehen) und beinhaltet neben Kontaktdaten zu Angehörigen auch Vorerkrankungen, Allergien und Medikation - eine wirklich gute Sache!!
UPDATE: Florian Franz alias makes_sense hat noch eine gute Anmerkung:
- @ Jeder SOLLTE einen haben: Kann ja auch “nicht spenden” wählen. Kein Angehöriger sollte das entscheiden müssen.
Recht hat er! Den Ausweis gibt es übrigens hier als pdf zum selbst ausdrucken! (Weitere Infos hier).
Dennoch begrüsse ich natürlich, dass es Leute gibt, die sich Gedanken darüber machen und möchte mit diesem Text keinem von “ICE” oder “IN” abraten… (…es muss sich halt noch durchsetzen…)