Lange bevor meine Berufswahl zum Rettungsassistenten, -sanitäter, Erzieher (ja, das hab’ ich auch mal erlernt!) feststand, habe ich mich mittels Praktika einmal in der rauen Arbeitswelt umgesehen. Bisher nur das wohlbehütete Klassenzimmer gewöhnt, wollte ich damals Abenteuerluft schnappen und fern vom Schulalltag - in den Ferien - etwas aussergewöhnliches erleben.
Da der Onkel meines besten Freundes beim ASB als Krankewagenfahrer Krankenträger Unfallwagenlenker Notfallsani Rettungsdingsda Rettungsassistent (zu dem Zeitpunkt hörte ich das erste Mal von dieser Berufsbezeichnung) tätig war ist, fragten wir kurzerhand, ob wir unsere Ferien sinnvoll nutzen könnten und etwas Berufsleben im Rettungsdienst schnuppern durften. Gesagt, getan - Statt ausschlafen, in der Ostsee baden, Party und Disco zu geniessen wurden neue Erfahrung in puncto Frühaufstehen und Schichtdienst gesammelt.
Zu Beginn der 24-Stunden-Schicht wies mich ein netter Kollege der *RettungswacheaufeinerdeutschenOstseeinselunddamitmeineichnichtRügen* auf den Rettungswagen oberflächlich ein. Hier die Trage, dort das EKG… Als blutiger Laie war mir klar, dass ich eher eine Randfigur einnehmen würde - die gröbsten Anforderungen ausführend (Trage holen, Tragen helfen etc).
Viele Fragen meinerseits durchbohrten den geduldigen Kollegen. Freundlich wurden alle Hirngespinste, Unwahrheiten, Vorurteile und ähnliches klargestellt und mein bis dato “Hans-Meiser-Halbwissen” zurechtgerückt und korrigiert.
Nach einer Weile ohne Einsatz - und ich weiss noch genau wie gespannt ich unruhig auf das Piepen des Einsatzmelders wartete - war es Zeit für meine tägliche Defäkation. Da kurz zuvor Besuch einer (mir fremden) Rettungswagenbesatzung eintraf wunderte ich mich nicht, dass diese durch die geschlossene Toilettentür ein beherztes “Wir müssen los!” riefen. “Ok, bis bald!” antwortete ich, schloss, gemütlich den Regionalteil der Lokalzeitung zuende lesend, mit dem “Reinigungsritual” ab und öffnete wieder die Klotür.
Zu meinem Erstauen stand ich in einer menschenleeren Wache - keine Gäste, keine Kollegen. Durch ein Fenster sah ich das Maleur: Wärend ich gemütlich auf dem Porzellan saß, wurden nicht die anderen sondern WIR zu einem Notfalleinsatz gerufen. Da ich allerdings den Einsatzmelder nicht bei mir trug sondern auf dem Tisch liegen gelassen hatte, verpasste ich diesen und sah gerade noch wie der Rettungswagen mit Blaulicht vom Hof fuhr…
So verbrachte ich meinen allerersten Notfalleinsatz nicht am Einsatzort sondern im stillen Ort.