Manchmal zweifel ich an mir selbst…
Ich denke aber, dass es nicht verwerflich ist, einen Einsatz in die ‘Schublade angenehmer Einsatz‘ zu verbuchen, bei dem ein vermeintlicher Patient verstorben ist. Es kommt meiner Meinung nach immer auf die Art und Weise an:
Viele Tote sind nicht gerade “ansehnlich” oder sterben unter sehr “unangenehmen” Umständen. Andere Tote liegen schon längere Zeit unentdeckt in ihren Wohnungen oder hinterlassen oftmals viel zu früh eine verbitterte dann unglückliche Familie. Oftmals belasten mich nicht die Verstorbenen an sich, sondern deren Angehörige - hier ist dann nach dem “Einsatz” der “echte Einsatz” notwendig: Psychologische Unterstützung, Gespräche, Aufklärung, Trösten, Unterstützung vor Ort…
Als ‘angenehmen Einsatz’ empfand ich den verstorbenen Ehemann, der bei unserer Ankunft friedlich mit einem “seeligen lächelndem sehr zufriedenen Gesichtausdruck” auf dem Sofa lag und dessen Frau bereits ahnte, dass er tot sei. Keine ernsthafte Vorerkrankung, kein langer Leidensweg trübten das Bild. Eben noch gemütlich mit der Frau den sonnigen Nachmittag bei einer Tasse Tee geniessend und nun, schnell und schmerzlos, verstorben.
Wie der Mann so friedvoll da lag, freute ich mich für ihn
- kurz und schmerzlos, so möchte auch ich einmal sterben…
…das war ein ‘angenehmer Einsatz’…