Sensationsjournalismus oder objektive Berichterstattung?
Die Bombenanschläge in London bringen mich zum Nachdenken. Der Terror ansich ist erschreckend genug, dennoch ist zwischen Marco und mir eine Diskussion über die verschiedenen Möglichkeiten von Pressearbeit und Informationsbeschaffung entbrannt.Vielleicht sehe ich es ein wenig konservativ (oder ich bin einfach nicht genug in die journalistische Arbeit involviert) - eine (beinahe) unkommentierte Veröffentlichung von “Augenzeugenberichten” halte ich -auch wenn allseits und seit Jahren genutzt- für eine nicht ganz optimale Arbeitsweise.
Sicher, es ist unheimlich interessant, was die Menschen “wirklich erlebt und durchgemacht” haben und jede Information ist besonders zu “Beginn” aufzunehmen. Von offizieller Seite wird es in den ersten Stunden eines Anschlages nur wenig “Verwertbares” geben, da die Ansprechpartner der Presse in dieser Zeit in den jeweiligen Notfallführungsgremien gebunden sind und in den meisten Katasrophenfällen anfangs die Presse geblockt wird, bzw. die Einsatzgebiete generell gesperrt sind.
Ich möchte nicht missverstanden werden: Berichte von Betroffenen (z.B. bei der BBC und der Tagesschau) werden uns in den Medien ständig begleiten, sie sind ein wichtiges Sprachrohr (besonders) für Minderheiten. Dennoch ist es sehr wichtig, diese Texte nicht unkommentiert stehen zu lassen. Jeder kennt die Macht von Medien, besonders während Kriegs- und Krisenzeiten manipuliert sie die öffentliche Meinung, wird gezielt eingesetzt.
Außerdem darf niemals vergessen werden, dass dort “echte Menschen” betroffen sind. Im schnellebigen Zeitalter der weblogs und Co ist jede neue Information das Ziel (und soll es auch bleiben). Doch leider rückt darüber hinaus die “Vergangenheit” allzu schnell in Vergessenheit, Opfer werden zu Zahlen und Schicksale verlieren sich als Augenzeugenberichte, werden zehn Monate später in der “Die zehn blutigsten Terroranschläge”-Show nochmals zu Geld gemacht… (sorry für diesen Sarkasmus)
Alexander hat mich überzeugt - eine wirklich “harte” Berichterstattung sind diese Art von “Betroffenenpresse” nicht.Die Möglichkeit des Rückrufes entschärft meine Befürchtungen.
Erschreckend war nur die Schnelligkeit der Medien. Es wird tatsächlich mit solchen Katastrophen gerechnet (ist im Endeffekt auch besser so). Vielleicht hat mich die gestrige Anschlagserie in London doch etwas überrascht - ich bin auch heute noch sehr von dieser Brutalität gelähmt…